Verfasst am: 10.03.2010, 17:51 Titel: Mein erster Campingurlaub mit dem Auto
Mein erster Campingurlaub mit dem Auto
Ich bin zwar schon seit 1955 mit dem Motorrad auf Camping gefahren, aber 1963 hatten wir dann ein Auto, einen DKW Junior, und mein Freund machte den Vorschlag, mit dem Zelt nach Südtirol zu fahren.
Mit dem Auto konnte man ein größeres Zelt mitnehmen, also wurde zuerst man eins gekauft.
Wir fuhren also los wir wollten über Mittenwald fahren. In Mittenwald war ein Strommast über die Straße gefallen, es ging nicht weiter. Wir sind also dann über die Leutasch gefahren. Am Zoll merkte mein Freund, dass er die Pässe vergessen hatte.
Na ja, wir waren ja frei. sind also auf dem Campingplatz Tennsee in Krün eingekehrt. Wer hatte damals schon Telefon, heute undenkbar, ist also mein Freund zur Post, hat ein Telegramm aufgegeben, zu seinen Eltern, unsere Pässe liegen dort, bitte schicken zum Campingplatz Tennsee.
Drei Tage haben wir warten müssen bis die Pässe kamen. Doch haben wir dann dort die Zeit genutzt. Wir die Flachländer haben uns dann vorgenommen, einen Berg zu erwandern. Da bot sich ja nun die Karwendelwestspitze an. Damals gab es noch keine Seilbahn hoch. Haben uns also Karten besorgt, und dann ging es hoch, über die Mittenwaldhütte, unterwegs kamen uns Leute mit Mulis entgegen, die also die Verpflegung zur Mittenwaldhütte hochbrachten.
Die Spitze haben wir also erreicht, leider ist wie fast immer der Fotograf nicht drauf, nur mein Freund mit meiner Frau. Anschließend ging es dann über den Gletscher runter zur Dammkarhütte. Dort sind wir eingekehrt. Da war eine bildhübsche Bedienung, mein Freund sagte, die kann man nicht schöner malen, aber wenn ich mit der pousieren sollte, und dann immer bis hier hochlaufen, nein dann würde ich sie laufen lassen.
Wir sind dann wieder gut runtergekommen, und nach 3 Tagen waren die Pässe da, und weiter ging es nach Südtirol, wir sind dann in Naturns gelandet. Die Südtiroler waren sehr gut von den Italienern zu unterscheiden, die trugen alle eine blaue Schürze.
Naturns warb damals noch mit fließend deutsch und Warmwasser. Das Laudeskennzeichen I wurde dann mit Sprüchen umrandet, i stand für ich und rundherum bin ein Meraner. Die Campingfrau erzählte mir, in den Amtsstuben steht ein Schild, deutsch sprechen und auf den Boden spucken verboten, aber sie meinte, wir haben im Ort nur einen Italiener, der hat die Autowerkstatt und der ist in Ordnung.
Südtirol hat uns sehr gut gefallen, wir die Flachländer, die auf den höchsten Berg der Niederlande mit 3120 schauen, ach pardon Dezimeter, waren jetzt von hohen Bergen umringt, wo man herrlich Bergwandern konnte.
Und dann die Nähe von Meran war sehr reizvoll.
Auf der Promenade saßen viele Leute auf den Bänken, und so kam es, das meine Frau und ich eben auf verschiedenen Bänken saßen. Als ich auf der Uhr schaute, sah ich das Datum 27. Habe dann gerufen Christa Ja weißt du was heute für ein Datum ist? nein. Wir haben den 27., da bekomme ich Geld, wir können heute wieder mal essen gehen.
Die Leute schauten zu mir rüber, weiß der Teufel, was sie dachten. Damals gab es keine Bankomaten, man musste das Geld von zuhause mitnehmen.
Eines abends macht die Frau von meinen Freund sich ein Glas Gespritzten, halb Rotwein und halb Wasser. Einen Moment nicht aufgepasst, schwups hatte Susanne, die Tochter das Glas ausgetrunken. Wir haben noch was vor dem Zelt gegessen, da sagt mein Freund, schau mal wie müde die Susanne ist, sie kann kaum noch laufen.
Wir haben natürlich den Mund gehalten.
Natürlich sind wir dann auch mal nach Venedig gefahren, ich konnte mir die Kirche nur von außen ansehen, weil ich eine kurze Hose an hatte. Auch Frauen mit nackten Armen kamen nicht rein, sie mussten die Arme mit einen Tuch bedecken.
Und essen gehen am Markusplatz war eben für uns auch nicht möglich, wie sagte mein Freund einen ganzen Tag arbeiten gehen, um hier mit Frau und Kind zu essen, das ist zu viel.
Was wir wohl noch gemacht haben, wir sind zum Gardasee gefahren. Unsere Campingchefin meinte, wir sollen am Lago de Kaka kein Wasser aus der Wasserleitung trinken. Wir fanden es toll, in Riva habe ich das erste mal einen Bananenbaum gesehen. Und man konnte auf dem See mit Motorbooten fahren, in der Eifel hatten wir zwar auch schöne Seen, durften aber kein Motorboot fahren. Das musste einfach ausgenutzt werden.
Es war für ein sehr schöner Urlaub, auch wenn die 2 Regentage nicht so schön waren.
Noch ein Nachsatz für die jungen Leute. Damals bekam ich 18 Tage Urlaub, wobei eine Woche Urlaub mit 6 Tagen angerechnet wurde. War man 5 Jahre im Betrieb, bekam man ein Tag mehr.
Auf der Rückfahrt habe ich in Köln für die letzten 5 DM Benzin gekauft, fast 10 l, damit ich noch nach Hause kam. Ja, heute ist eben alles anders, besser. _________________ WILLIPITSCHEN
In Ungarn vergeht alle 60 Sekunden eine Minute
Willi, ich bin sehr beeindruckt von deiner Geschichte und den vielen, wunderbaren Bildern aus den guten, alten Tagen.
Ich selbst bin Baujahr '60, also gerade mal 2 1/2 Jahre, als diese Fotos entstanden. Trotzdem fasziniert mich gerade der Charme der Sechzigerjahre ganz besonders und ich freue mich jedesmal, wenn ich Fotos aus dieser Zeit sehen.
Vielen Dank für deinen Einblick in diese Zeit des Aufbruchs und der Erneuerung! _________________ LMC 475 hinten, KIA Sorento vorne!
Zuletzt bearbeitet von Baumschupser am 10.03.2010, 19:03, insgesamt einmal bearbeitet
Willi, das ist ein Superbericht! Wir waren in den 60ern mit Moped oder Autobus auf Reisen. Vieles kommt mir bekannt vor, wie du es schreibst. Wir hatten auf unserer Deutschlandreise nach Dortmund mit dem Moped 3000.-- Schilling Reisegeld. Das war für zwei Wochen mit Nächtigungen im Hotel oder Gasthof auch nicht gerade viel. Das sind in Euro 218.--! Wir kamen bei der Retourfahrt bis nach Oberösterreich an den Traunsee. Dort blieben wir bei Bekannten und meine Schwiegereltern lösten uns aus. Ja, früher einmal, da war eben alles anders. In Meran waren wir in den 90er Jahren, so 1996 glaube ich. Da hatten wir schon den dritten Wohnwagen und waren in Lana am Campingplatz. Tja, der Fortschritt! _________________ Liebe Grüße von der Stefferl
http://members.aon.at/peterunderika/
Willi, ein sehr schöner Bericht. Er hat mir sehr gut gefallen. _________________ Ciao
udocar
Lieber reich und gesund, als arm und krank.
www.dierollwaelderzugvoegel.de
auch ich kenne diese Orte alle, ich war zwar erst 11 zu dem Zeitpunkt bin aber mit meinen Eltern von Gries am Brenner mit einem VW Käfer Standard nach Bozen,Meran, Venedig, durch die Dolomiten usw. gefahren. Gecampt haben meine Eltern nie, wir haben immer Ferien auf dem BAuernhof gemacht aber Südtirol war meinen Eltern immer eine oder auch mehrer Tagestouren wert.
Klasse Bericht hat viele Erinnerungen geweckt. _________________ --------------------------------------------------
Gruß aus OWL
Thomas
Super Geschichte,so hat woll jeder mit dem Camping angefangen.
Bei uns war es so ähnlich 1978,zwar kein DKW aber ein Audi100,
großes Zelt gekauft,ab nach Italien,ein paar mal verfahren,Platz übervoll,
zu zweit auf einen Platz usw.aber es war trotzdem schön.
wieder ein wunderbarer Bericht, welcher Erinnerungen nach vergangenen und schönen Zeiten weckt.
Nachdem ich 1969 heiratete, 1970 wieder ein Auto ( VW Käfer 1300 ) kaufte kam unser Brautführerpaar auf die Idee, gemeinsam einen Urlaub zu verbringen. Sie waren schon länger Camper und hatten sich im Frühjahr 1971 ein Bungalowzelt gekauft und stellten uns ihr altes zur Verfügung. Auf dem anhängendem Bild sind beide zu erkennen. Unser Ziel sollte Kärnten, der Millstätter See werden. Die Fahrt begann morgens bei starkem Regen,- wir in unserem voll gepacktem Käfer, die Freunde im VW 411 Kombi-, ab Würzburg immer dichterwerdender Nebel und langsamerer Fahrt. In Österreich vor dem Katschberg nun dichtes Schneetreiben und unsere Nerven waren am Ende. Was nun? Mein Freund erinnerte sich an seine Stiefschwester, welche in Mandling am Dachstein auf einen Bauernhof leben sollte. Wir hatten uns schnell durchgefragt und wurden dort herzlich aufgenommen. Nachdem wir die Nacht übermüdet auf Luftmatratzen verbrachten, ging der Horrortrip am anderen Morgen über den Katschberg bei Schneetreiben weiter. Dies blieb bis Seeboden so. Doch als wir in Seeboden durch eine Unterführung fuhren war plötzlich blauer Himmel und es wurde wärmer. Am Campingplatz angekommen hatten wir Zweifel ob wir die zelte aufbauen oder erst für ein paar Tage ein Zimmer nehmen sollten. Der Platzinhaber meinte aber, wenn wie heute Schnee bis in den Tälern, dann ist ab morgen schönstes Wetter. Wir bauten die Zelte auf, erwärmten uns mit reichlich Jagertee und verbrachten unsere erste Campingnacht dick eingepackt im geliehenem Zelt. Am frühen Morgen stand die Sonne schon erwärmend über den Zelten und wir hatten 14 Tage Hochsommer.
Nun haben wir aber schon den fünften Wohnwagen und möchten das Campen nicht missen.
[img][/img] _________________ Wer lesen kann ist oft im Vorteil.
Wer hilft dem wird auch geholfen.
schöne berichte...und camping mit nem käfer ist ja wohl ein traum!!
da hab ich so viele jahre später angefangen zu campen, aber trotzdem war die situation ähnlich.
bei meinem ersten urlaub hatte ich einen alten civic, in den habe ich zelt und luftmatratzen gepackt usw. + 3 kinder, kein tisch, keine stühle aus platzmangel, aber trotzdem war das auto völlig überladen, und dann sind wir in die normandie gefahren. es war der wohl schönste urlaub den wir hatten!! von den schwärmen noch heute alle!
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