Verfasst am: 25.04.2011, 21:07 Titel: Die Nebenwirkungen von dreimonatigem Dauercampen.
Obwohl fern jeden Rekordverdachts scheint ununterbrochenes Dauercampen schon nach Wochen Nebenwirkungen zu zeigen. Fern der Heimat bringen diese Zeitgenossen neben Auto und Wohnwagen auch die lieben Gewohnheiten mit. Denn Genossen sind sie allesamt beim Thema Zeit totschlagen. Ist das Leben eigentlich zu kurz um es monateweise mit Langeweile zu missbrauchen? Wohl nicht, sonst würde es keine Leute geben die auf Campingplätzen Plastiktaschen aus Abfällen häkeln, Windspiele aus leeren Wasserflaschen basteln und Adventkränze aus Muscheln binden. Dabei wird der Platz um den Wohnwagen mit Meersand, Steinchen und eingekauften Blümchen dekoriert und der Innenraum des Vorzelts ähnelt einer gutbürgerlichen Stube in der der Fernseher ncht fehlen darf.
Jeden Morgen werden die Nachbarn beim Brötchenkauf rituell gegrüßt und das Mittagessen besteht aus eigens importierten Ingredienzien aus dem Heimatland.
Manchmal nerven die Einheimischen dermassen, dass man sich in der eigenen Sprache über sie ärgert. Bei all den heimatlichen Ritualen vergaß man nämlich, dass man sich eigentlich in einem fernen Land befindet dessen Bewohner, fern jenseits der Campingplatzgrenzen, andere Sitten und Gebräuche pflegen. Und dass diese Leute zu durchaus anderen Dingen imstande sind als morgens Duschen und Toiletten zu putzen. Eine fremde Welt, dort draussen jenseits der Platzgrenze, deren Existenz man am besten leugnet indem man unter sich bleibt und den Kontakt mit jenen meidet, die kommen und gehen. _________________ Am 19. August geht's nach Avignon, der Stadt der Päpste und dann immer weiter der Sonne nach.
Zuletzt bearbeitet von diavolothecat am 26.04.2011, 08:42, insgesamt 2-mal bearbeitet
hast du schön geschrieben, doch leider trifft es auf mich nicht zu.
Bin immer bedacht, mich so zu verhalten, das ich unter den Einheimischen nicht auffalle.
_________________ WILLIPITSCHEN
In Ungarn vergeht alle 60 Sekunden eine Minute
Ich würde es nicht "Langeweile" nennen, wenn Leute, die Zeit haben, sich mit Dingen beschäftigen, mit denen sie sich nicht beschäftigen würden, wenn sie keine Zeit haben; eher "kreatives Schaffen".
Vor kurzem noch Oster-Camping gemacht und dabei mit dem RC-Segler schön übern See geschippert. Mach ich nur in meiner Freizeit, nicht aus Langeweile.
Acht oder mehr Stunden inaktiv vor der TV-Glotze abhängen, das nenn' ich Langeweile... _________________ LMC 475 hinten, KIA Sorento vorne!
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